Vergleich Natursteinfassaden mit Glasfassaden

Vergleich Natursteinfassaden mit Glasfassaden

 

Eine vom Deutschen Naturwerkstein-Verband e.V. (DNV) in Auftrag gegebene Studie belegt: „Natursteinfassaden sind nachhaltiger als Konstruktionen aus Glas“. Quelle: Deutscher Naturwerkstein-Verband e.V.

Natursteinfassaden sind nachhaltiger als Konstruktionen aus Glas. Das geht aus einer Studie hervor, die der DNV vorgestellt hat.

Ökologie und Nachhaltigkeit spielen eine immer wichtigere Rolle, auch im Baubereich. Dass Naturstein hier punkten kann, liegt auf der Hand: Das Material ist ein Naturprodukt, für dessen Herstellung keine aufwändigen Prozesse notwendig sind. Verwendet man regionale Materialien, entfallen zudem lange und energiefressende Transportwege. Leider fehlten bisher – anders als für andere Baustoffe wie Beton – verifizierbare Zahlen und Daten. Die Studie mit dem Titel „Ökobilanzstudie zu Fassadenvarianten in Glas oder Naturstein“, die der DNV beim weltweit tätigen Beratungsunternehmen PE International aus Leinfelden-Echterdingen in Auftrag gegeben hat, bestätigt die Vorteile von Naturstein erstmals schwarz auf weiß.
Verglichen wurden die ökologische Leistungsfähigkeit von Naturstein- und Glasfassaden. Das Ergebnis überrascht in seiner Deutlichkeit sogar Insider: So liegen die Umwelteinwirkungen einer gläsernen Gebäudehülle zwischen 60 und 360 % über denen einer Natursteinfassade. Über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes fällt für eine Glasfassade gut das Dreifache an Primärenergie an.

fassadenvergleich_diagramm_1

OpernTurm als Anstoß
Anlässe für die Studie gab es mehrere. Wegen der hohen Energiekosten, die für die Kühlung von Glasbauten aufgewendet werden müssen, empfahl der Bayerische Rechnungshof bereits 2008, Glasfassaden nur noch in besonderes begründeten Fällen einzusetzen. Den endgültigen Anstoß für einen Vergleich der Ökobilanzen von Glas und Naturstein lieferte der Bau des 170m hohen Frankfurter OpernTurms – in Fachkreisen als das spektakulärste deutsche Bürohochhaus seit Jahren gefeiert (siehe Naturstein 5/2010, S. 26). Hier brach der Stararchitekt Christoph Mäckler mit der Tradition der Glastürme, die auch Frankfurts
Stadtbild prägen, und bevorzugte eine Natursteinfassade. Das hat zur Folge, dass das Gebäude 23 % weniger Energie verbraucht, als die Energiesparverordnung EnEV 2007 fordert.

Gesamte Bilanz untersucht
Im Rahmen der zweiteiligen Studie wurde die gesamte Ökobilanz von Glas- und Natursteinfassaden (Herstellung, Nutzung und Entsorgung inkl. vor- und nachgeschalteter Prozesse, wie Fertigung von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen) untersucht. Außerdem wurden der jeweilige Verbrauch von Primärenergie sowie die Entstehung von Umweltbelastungen unter die Lupe genommen.

 

fassadenvergleich_diagramm_2

Für Naturstein wurde dabei entsprechend dem Leitfaden Nachhaltiges Bauen eine durchschnittliche Lebensdauer von 80 Jahren angesetzt. Die Untersuchungen basieren auf der sog. LCA-Methode (Life Cycle Assessment), bei der die Umwelteinwirkungen von Produkten während ihres gesamten Lebensweges systematisch analysiert werden. Den ersten Teil der Studie bildet ein Vergleich zweier typischer Fassadenkonstruktionen mit Naturstein bzw. Glas über einen Zeitraum von hundert Jahren. 1 m² hinterlüftete Natursteinfassade samt Wärmedämmung und Stahlbetonwand stand bei der Untersuchung einer flächengleichen Glasfassade mit Aluminium-Unterkonstruktion gegenüber. Hierbei schnitt der Naturstein deutlich besser ab. Er verbraucht nicht nur wesentlich weniger Primärenergie, sondern überzeugt auch durch weitaus geringere Umweltbelastungen.

Bei einer Glasfassade ist das Treibhauspotenzial mehr als 2,5-mal, das Versauerungspotenzial mehr als 3-mal, das Eutrophierungspotenzial (Anreicherung von Nährstoffen in einem Ökosystem) mehr als 4-mal und das Sommersmogpotenzial (verantwortlich für die Bildung bodennahen Ozons) mehr als 4-mal höher als bei einer Natursteinfassade. Das Ozonabbaupotenzial ist bei Naturstein um gut das 1,5-Fache günstiger.

Drei Fassaden verglichen
Der zweite Teil der Studie beleuchtet drei Fassadenvarianten am Beispiel des Frankfurter OpernTurms (ca. 30.000 m² Gesamtfassade) über eine Dauer von 50 Jahren. Konkret handelt es sich um Konstruktionen, bestehend aus
1. einer elementierten, hinterlüfteten Natursteinfassade (17 %), einer hinterlüfteten Natursteinfassade nach DIN 18516-3 (33 %) sowie Glaselementen (50%);
2. einer hinterlüfteten Natursteinfassade nach DIN 18516-3 mit 50 % Fensteranteil;
3. einer adäquaten Glasfassade, bestehend aus Glaselementen (90 %) und hinterlüfteter Natursteinfassade nach DIN 18516-3 (10%).

Auch hierbei ergaben sich deutliche ökologische Vorteile der beiden Natursteinfronten gegenüber der Glashülle. Letztere verbraucht mehr als doppelt so viel Primärenergie wie die Varianten 1 und 2. Glas verursacht zwischen 60 % bzw. 175 % höhere Umwelteinwirkungen. Granit und Kalkstein schlagen Glasfassaden beim Treibhaus-, Versauerungs-, Eutrophierungs- sowie Sommersmogpotenzial jeweils um mehr als das 1,5-fache, beim Ozonabbaupotenzial schneidet Naturstein sogar mehr als 2,5-mal besser ab.

fassadenvergleich_diagramm_3

 

Weitere Vorteile
Krug betonte, dass Natursteinfassaden auch aus ökonomischer Sicht energetische Vorteile gegenüber Glaskonstruktionen besäßen. Beispielsweise sei der für den Wärmeschutz bedeutende U-Wert bei Naturstein mit 0,32 W/m²K wesentlich geringer als bei Glasfassaden (1,25 W/m²K). Die Transmissionswärmeverluste und somit der Wärmebedarf des Gebäudes
fielen damit deutlich günstiger aus. Hinzu kommt der enorme Kühlbedarf für Gebäude mit Glasfassaden im Sommer. Laut einer Untersuchung des Darmstädter Instituts Wohnen und Umwelt liege der Energiebedarf eines Gebäudes mit Natursteinfassade zwischen 100 und 150 kWh pro m²/Jahr, bei Glasgebäuden hingegen zwischen 300 und 700 kWh/m²a – was dem Niveau schlechter Altbauten entspreche.

Niedrigere Herstellungskosten
Auch die Herstellungskosten einer Natursteinfassade sind offenkundig wesentlich günstiger als die einer Glasfassade. Bayerns Landesrechnungshof stellte bei 20 geprüften Fassaden fest, dass die Investitionskosten in etwa proportional mit dem Glasanteil ansteigen. Während Lochfassaden bei einem Glasanteil von 35 % mit 400 €/m² Fassadenfläche auskamen, wurden bei einem Glasanteil von 90 % Investitionskosten von 1.280 €/m² notwendig. 1% Glasanteil über das Normalmaß einer Lochfassade hinaus koste einschließlich Nebenkosten 16 €/m² Fassadenfläche, so Krug unter Verweis auf den Baukostenindex November 2006. Ebenso lägen die Instandhaltungskosten einer Natursteinfassade um die Hälfte unter einer gläsernen. Daneben verursachten Glasflächen auch noch jährliche Reinigungskosten bis 4 €/m².

Quelle: Deutscher Naturwerkstein-Verband e.V.

20. Dezember 2015 / von / in

Schreibe einen Kommentar